(14.1. Walter) Heute sind schon 14 Tage rum und ich habe ein wenig gekränkelt. Gestern Abend habe ich Fieber bekommen ohne wirklich ersichtlichen Grund. Vielleicht zu viele Eindrücke, zu viel Wind und Sonne. War eine anstrengende Nacht mit Fieberträumen von Elefanten, ziemlich viel Fantasie. Jetzt sitze ich mittlerweile mit Eva im Chill, dem angesagtesten Laden der Stadt, hören HipHopReaggeChantChill-Musik mit unheimlich vielen Menschen zusammen, die chillen. Eva schreibt Postkarten und ich möchte ein wenig berichten über die Stationen der letzten Tage.

Über die Erfahrungen Adam’s Peak hat Eva wunderbar geschrieben, dem kann ich nichts wirklich hinzufügen. Vielleicht nur, dass ich immer noch etwas Muskelkater beim Treppensteigen spüre und hier in Ella gibt es genügend davon. Es wirkt also nach, der Aufstieg, der Sonnenaufgang, die vielen lachenden Gesichter, trotz der Anstrengung.  Zu sehen wie viele alte und gebrechliche Menschen sich dieser Anstrengung stellen um Buddhas Fußabdruck, Sri Pada zu würdigen. Aber nicht nur für Buddhisten ist Adam’s Peak eine Pilgerstätte, sondern auch für Christen – Adam soll nach der Vertreibung aus dem Paradies dort gewesen sein. Auch Hindus und Moslems pilgern zum Gipfel hinauf.

Da gibt es also die religiösen Gründe, die touristischen und auch die sportlichen Gründe diesen Weg zu gehen. Mir persönlich ist das Pilgern als Tourist wohl am nächsten.

Hier im Chill ist echt was los, Franzosen, Engländer, Russen, Deutsche trinken Cocktails, Bier, Lassis oder Tee, essen Sri Lanka Food für den europäischen Geschmack oder auch Pizza, German Chickenschnitzel. Ein wirklich eigenartiger Ort. Viele Menschen sitzen mit ihren iPhones oder Smartphones da, schreiben Messages oder Blog – so wie wir eine Weile.

Irgendwie passt das nicht an diesen Ort und doch sitzen wir hier. Alles für den Touristen. Es macht mich eine wenig nachdenklich, wohl auch deshalb, weil wir gestern bei unserer Wanderung zu den Wasserfällen und der „Nine Arch Bridge“ an einem Hindu-Tempel vorbeikamen und von dem Tempelbetreiber zum Tee in sein Haus – eher Hütte – eingeladen wurden. Er ist Inder, seine Frau Sri-Lankerin, sie haben drei Kinder, wobei die älteste Tochter in Colombo ist, die beiden Söhne lernten wir auch kennen. Sie wohnen zu viert auf ca. 10 m² mit einer angebauten Küche und einer Außentoilette. Alles im Rohbau, da vor kurzem ein Baum das alte Haus zerstört hat. Er pflegt den Tempel den sein Urgroßvater errichtet hat und zelebriert Pujas. Die beiden waren so freundlich, anrührend und offen. Für uns eine ungewöhnliche Situation in der wir all unseren Reichtum spüren konnten. Allein unser Gartenhäuschen in Caputh ist größer und komfortabler ausgestattet. Ich kann mir nur schwer vorstellen darin jeden Tag zu leben.

Als wir gingen haben wir noch ein paar Fotos gemacht, die wir ihnen per Post zukommen lassen werden – Internet haben sie nicht. Aus unserem Bedürfnis heraus ihnen etwas Gutes zu tun gaben wir ihnen 1000 Rupien (ca. 5 €). Wir hatten beide das Gefühl, dass es für sie nicht einfach war das Geld anzunehmen, sie waren sehr angerührt und bedankten sich herzlich dafür.

Er zeigte uns noch den Weg zur Eisenbahnbrücke, die wir dann nach 15 Minuten bewundern und begehen konnten. Ein markantes Bauwerk, mit neun großen Bögen aus Granit gemauert. Schade das jetzt gerade kein Zug kommt, wäre bestimmt ein tolles Foto.

Bevor wir am Hindutempel waren, hatten wir schon zwei wilde Busfahrten hinter uns, einmal hin zu den Ella Wasserfällen und dann wieder zurück. Beide mal mit dem gleichen Bus – eine fahrende Disco. Wieder ein Erlebnis, dem man sich nur ergeben, hingeben kann. Laute Sri Lanka Mainstream-Pop-Musik zum Hören und Sehen, verbunden mit einer rasanten Fahrt die Serpentinen herab. Man könnte meinen, davon gibt es keine Steigerung mehr. Könnte man, aber dazu vielleicht später.

Die Wasserfälle haben etwas Kraftvolles. Das Hinabrauschen des Wassers ist ein neugierig machendes Schauspiel. Das Gelände ist etwas abgesperrt, es wird vor rutschigen und brüchigen Wegen gewarnt, dass das Begehen auf eigene Gefahr geschieht und dass es schon 36 Tote gab. Das hält uns allerdings nur für eine Teepause davon ab, um dann doch so nah wir möglich heranzugehen und dort ein wenig nur Verweilen und zu schauen und lauschen, direkt am tosenden Wasser die Füße zu baden 😉

Es war total entspannend nach der Busfahrt, wir aßen noch einen Maiskolben und frische Litschis und machten uns wieder mit dem Bus zurück nach Ella.

So kamen wir dann nach kurzer Wanderung zum Hindutempel, zur „Nine Arch Bridge“ und zum Ende das erste Mal ins Café Chill. Und danach, in der Unterkunft, bekam ich für eine Nacht ein doofes Fieber.