(10. – 12.1. Eva) Unsere Reise schreitet viel zu schnell voran, wir kommen kaum hinterher mit dem Schreiben… Soo viele Eindrücke, Erlebnisse, Landschaften, Dörfer, Städte, Tiere, Pflanzen, Menschen, Farben, Gerüche, Geschmäcker…
Sri Lanka ist wirklich ein Fest für alle Sinne und wir genießen es sehr. Naja, heute ist Walter leider ein wenig krank, fiebrig und Bauchgrummeln von vielleicht zu vielen Anstrengungen, Nachwirkungen vom Adam’s Peak? So ist heute ein fauler Relaxtag, den wir in Ella verbringen.
Adam’s Peak, dieser Wunderberg von 2243 Metern auf dessen Gipfel ein buddhistischer Tempel thront. Vom Hotelmanager wurden wir Mittwoch Abend noch wunderbar witzig gebrieft was den Aufstieg angeht. Nachts um 1 Uhr 30 begannen wir dann, nach eigentlich null Schlaf sondern eher tiefenentspanntem Powernapping, unsere Wanderung, freudig und aufgeregt und irgendwie auch ganz ruhig und gefasst, feierlich gestimmt.
Am Fuße des 5400-Stufen-Aufstiegs begrüßten uns tatsächlich schon alle möglichen Budenbesitzer, die wohl einen 24 Std. Job schieben. Eine skurrile Mischung von allem was man zum Aufstieg so braucht: neben Proviant und Wasser vor allem Plüschtiere und Spielzeug in den schreiendsten Farben, wahrscheinlich aus China importiert wie so vieles hier, ein Meer von buntem Plastik und Plüsch, unfassbar! Besonders witzig auch die grellbunten Plüschmützen, Handschuhe und Ohrenwärmer, für alles ist bestens gesorgt. Im Tempel am Fuße des Berges werden wir gegen Obulus noch einmal mit einem weißen Armband für den Weg gesegnet, dann beginnt endlich der Aufstieg.
Es ist noch früh, noch nicht so viele Menschen sind unterwegs hinauf. Wir gehen einfach Treppe um Treppe, Stufe um Stufe nach oben. Sie sind im Laufe des Weges sehr unterschiedlich, variieren immer wieder stark in der Höhe, einen Rhythmus kann man dabei nur schwer entwickeln. Und nachdenken bringt auch nix, wirklich… Schon gar nicht wie viele Stunden oder Stufen wohl noch vor uns liegen mögen. Einfach weiter gehen.
Wir machen viele Pausen, schwitzen, schnaufen und verschnaufen, schauen lächelnd in solidarische Gesichter. Hier sind alle gleich, haben das gleiche Ziel, wollen nur nach oben und das vor Sonnenaufgang.
Und wie unterschiedlich diese Einheit doch aussehen kann! Viele der Sri Lanker/innen sind mit Flipflops auf dem Weg nach oben, Hauptsache die Ohren sind gut umhüllt, Pudelmützen, Ohrenwärmer. Viele dynamische (europäische) Youngster kommen mit Sportklamotten und zünftigen Schritten an uns vorbei geschwebt. Wir lächeln gleichmütig und wissen: beim nächsten Absatz hängt auch ihnen die Zunge aus dem Hals und wir überholen sie ganz geschmeidig, bis das Spiel wieder anders herum läuft und uns die Puste ausgeht.
Auch viele alte und gebrechliche Menschen wagen den Aufstieg, allein oder mit Hilfe der ganzen Familie, helping hands, welch eine große schöne Leistung!
Ab und zu überholt uns ein Paar mit tip top Ausrüstung incl. Wanderstiefeln und Stirnlampen, die man hier wirklich nicht braucht, denn der Weg ist bestens ausgeleuchtet. So schmunzeln wir uns Schritt für Schritt weiter nach oben, gut gestützt auf unsere Bambuswanderstöcke, um die uns hier einige beneiden.
Auf dem Weg hinauf gibt es viele Teestuben in denen man gut rasten und sich stärken kann, auch der Austausch mit anderen Pilgern ist schön. So treffen wir auch Marine aus Frankreich und ihren Freund wieder, mit denen wir uns im Hostel so nett unterhalten haben. Ihr Freund Pierre, der eine Zerrung im Bein hatte musste leider trotz unserer Globuli die Tour abbrechen, zu schmerzhaft für ihn.
Beim Blick hinauf erhaschen wir immer wieder die Schnur der Lichter, die bis ganz nach oben führt. Oh je, so weit ist es noch bis zum Gipfel! Wir schwitzen und schnaufen weiter und irgendwann haben wir die Stufen völlig vergessen, es gibt jetzt nur noch den Weg und keinen Zweifel, dass wir es schaffen. An der nächsten Teestube, wo wir uns mit Samahan, einem ayurvedischen Getränk aus scharfen Kräutern stärken, heißt es dann plötzlich: only 20 minutes to go! Wow, es ist nicht mehr weit, wie toll!
Und so erreichen wir den Gipfel, wechseln unsere verschwitzten Shirts, ziehen trotz Kälte die Schuhe für den Tempel aus und schlagen jeder die große Glocke einmal als Zeichen, dass wir Adam’s Peak einmal bestiegen haben.
Wir werden Zeugen des wundervollen Sonnenaufgangs in allen Farben und Schattierungen wie von Gott in den Himmel gemalt, zauberhaft… und jeder will das natürlich festhalten, dichtes Gedränge an den vorderen Fotoplätzen inklusive.
Dann beginnt die Zeremonie, weiß gekleidete buddhistische Trommler ziehen an uns vorbei, anschließend beginnt die Rezitation der Chantings. Wir setzen uns zu den Sri Lankern auf die kalten Steine, lauschen und meditieren etwas. Es sind viele Chantings, die wir aus den Vipassana Kursen kennen, sehr berührend…
Inzwischen ist es hell geworden. Wir Reihen uns in die Schlange, um uns vor dem heiligen Fußabdruck Buddhas zu verneigen. Die violette Lotusblume, die ich dort ablege, wird gleich wieder zur Seite gelegt, denn hier ist der Platz um Rupien zu hinterlassen.
Wir rüsten uns langsam für den Abstieg. Neben dem Wolkenschauspiel, auf das der Berg seinen schönen Schatten wirft, dürfen wir noch eine Russin ‘bewundern’, die akrobatisch auf einer Plattform vor den Wolken herum turnt und dabei von ihrem Freund angefeuert und fotografiert wird. Sehr unangenehm, respektlos und nicht ungefährlich, bis endlich ein Polizist kommt und sie stoppen will. Sie machen trotzdem noch eine Weile weiter…
Wir steigen wieder hinab, langsam, Schritt für Schritt. Dies ist zwar weniger anstrengend aber irgendwie viel erschöpfender, die Gelenke beanspruchter. Das Adrenalin, das uns hinauf getragen hat, ist nicht mehr verfügbar, jetzt will ich nur noch ankommen, ausruhen, nicht mehr laufen müssen. Meine Beine zittern und schmerzen.
Fast ganz unten angekommen übernimmt Walter netterweise auch noch meinen Rucksack, nun muss ich nur noch mich selbst die letzten Kilometer ins Hostel zurück schleppen… 🙂 Wie schön, dann wieder dort zu sein und diese Challenge geschafft zu haben, yeah!