(15./16.01. Walter) Mittlerweile sind wir in Tangalle, an der Südküste Sri Lankas angekommen. Hier beginnt jetzt unser Faulenzer-Urlaub. Das Integrieren des bisher Erlebten. Dazu ist dieser Ort genau richtig. Wir wohnen in einer Cabana ungefähr 300-400 Meter vom Strand entfernt, mitten im Grünen. Alles sehr, sehr ruhig hier. Außer fernen Motorengeräusche wahrscheinlich von Rasenmähern (Walter hat wohl seine Caputh-Ohren geöffnet, wa? 😉) und natürlich viele Vogelstimmen. Wenn die Motoren verstimmen kann man auch das Meer rauschen hören.

Hier sitzen wir also auf unserer Terrasse, kommen zu Ruhe und berichten ein wenig weiter.

(Eva) Immer wieder diese Umstellung an neuen Orten, doch es wird immer leichter sich zu akklimatisieren, auch wenn das Klima hier unten im Süden viel schwüler und heißer ist als im Hochland. Der Ort hier, Marakolliya ist schön ruhig, die kleine Ansammlung von Cabanas und ein größerer Bambuspavillon zum Essen, nette Betreuung, schöne Natur…

Die Brücke, die die Lagune überquert ist schon länger gesperrt. Das TukTuk hat uns an einer Seilfähre (Manpower) absetzt, die die Lagune überquert, unser Resort liegt also echt abgeschieden. Gestern war ich zuerst ein klein wenig enttäuscht von der Umgebung, aber nur anfangs, ich hatte wohl andere Erwartungen. Der Strand ist traumhaft und weit, man kann kilometerweit laufen, nur leider ist das Schwimmen meistens nicht möglich, weil die Strömung sehr stark ist und der Meeresboden nach ein paar Metern steil abfällt, schade erstmal, die rote Fahne zeigt das Schwimmverbot. Vielleicht ist deswegen so wenig los in dieser Region? Erfrischen, plantschen und schnorcheln geht aber trotzdem im vorgelagerten natürlichen Felsbecken, ist also gar nicht so schlimm.

Abends haben wir lecker gegessen an einem schönen Tisch direkt im Sand, vor uns die Wellen, wunderschön.

Ja, Erholung ist angesagt nach all den tollen und teilweise anstrengenden Erfahrungen. Die Busfahrt gestern ein wahres Abendteuer von dreieinhalb Stunden, Ella nach Tangalle. Sehr voll ist es, ich sitze auf einem halben Platz neben einem älteren Sri Lanker, versuche mich festzuhalten und nicht vom Sitz zu rutschen, während der Driver Serpentinen und Kurven mit beherztem Hupen, Vollgas und Schmackes nimmt, sehr rasant. Versuche mich zu entspannen. Später, als wir zwei Plätze nebeneinander haben gelingt es mir sogar fast einzuschlummern… Trotz der Raserei fühle ich mich eigentlich fast immer sicher auf den Straßen, auch wenn es einige Muskelarbeit erfordert sich im Sitz zu halten und gleichzeitig so entspannt wie möglich zu bleiben, wir üben weiter.

(Walter) Ja die Busfahrt hatte es in sich. Wir waren ja schon einmal einen Teil dieser Strecke gefahren, mit dem Disko-Bus. Doch dieser Fahrer hatte hier noch eine Schippe draufgelegt. Glücklicherweise sind wir etwas früher eingestiegen und jeder hatte einen Sitzplatz.  An der offiziellen Haltestelle kamen noch Mitfahrer dazu, die keinen Sitzplatz hatten und auch noch ihren Rucksack auf dem Rücken. Und ab ging die Fahrt durch Spitzkehren, mit Vollgas und Vollbremsung. Rollercoaster war der Ausdruck, den die neben mir stehende Holländerin benutzte: „Oh my God, that’s a rollercoaster“, rief sie mit etwas Hysterie in der Stimme und hatte echt viel damit zu tun sich festzuhalten.

Irgendwann im Tal, im Flachland angekommen wurde es ruhiger doch im Bus immer enger, da die Schule aus war und jetzt viele Schülerinnen und Schüler zustiegen. In Tagalle angekommen brauchte es nochmal eine Kraftanstrengung um aus dem Bus zu kommen. Wir haben es geschafft 😊

(Eva) Und wieder verneigt sich der Tag vor der Nacht, es dämmert und wir gehen gleich essen in unserem Resort. Schöner Tag heute am Strand mit langem Spaziergang. Vorher ein Bad in *unserem* Felsenbecken und ein Pinapple- und Papayalassi genossen, lecker gechillt…

Auf dem Weg am Strand entlang kamen wir an fast allen Unterkünften vorbei, die wir bei booking.com in der Auswahl hatten. Oh ja, wir sind genau richtig in den Eco Cabanas! Nur hier gibt es gleich am Strand das natürliche Felsenbecken zum Baden, im weiteren Strandverlauf nur rote Fahnen und tolle tosende Wellen, die das Baden unmöglich machen. Wir haben alles richtig gemacht mit unserer Entscheidung per Los :))

Ja schon klar, wir haben hier echte Luxusprobleme wie das Finden einer tollen Unterkunft, die all unsere hohen Erwartungen erfüllt. So ist das eben im Urlaub…

Genau das immer wieder im Bewusstsein zu haben: wie krass wohlhabend wir sind im Vergleich zu den Menschen hier. Was uns hier alles geschenkt und geboten wird, mit welcher Liebe, Freundlichkeit und Hingabe die Menschen hier für die Touristen da sind, sehr geschäftstüchtig zwar und oftmals kalkulierend, aber das ist angesichts der allgemein niedrigen Preise nebensächlich.

So sind wir auch so gut wie gar nicht am Handeln, sondern akzeptieren die geforderten Preise, obwohl gesagt wird, dass Touristen die nicht handeln nicht ernst genommen werden.

Beim Strandspaziergang reißen die starken Wellenströmungen immer wieder meine Aufmerksamkeit an sich. Der indische Ozean hat hier an der ungeschützten Südküste Sri Lankas solch eine Kraft, ganz weite Ausläufer der gebrochenen Wellen furchen riesige Absätze und Treppen in den Sand, spülen mit großer Kraft alles davon.

Dieses hypnotisierende unberechenbare Meer hat auch etwas Angsteinflößendes an sich. Wir sprechen über den Tsunami 2004, der auch Sri Lankas Südküste stark zerstörte, 30000 Menschen kamen damals hier ums Leben, unfassbares Leid.

Inzwischen ist hier alles wiederaufgebaut worden, Resorts, Hotels, Häuser strahlen in neuem Glanz, mit viel Liebe zum Detail und großer Kreativität wurde nach der Katastrophe so viel Schönes geschaffen. Sie haben einfach die Nägel aus den Holzbalken gezogen und von vorn angefangen, etwas anderes blieb ihnen auch nicht übrig.

Auf unserem Weg heute kommen wir an einem stark geschädigten Haus aus Beton vorbei, wie ein Mahnmal erinnert es mich an den Tsunami. Und an anderer Stelle soll im Garten eines Hotels sogar das Wrack eines Schiffes liegen.

So machen mich die Fluten auch nachdenklich und traurig. Und erinnern gleichzeitig daran, wie sehr doch umgekehrt der Mensch die Erde immer mehr zerstört und ausbeutet. Diese Naturgewalten sind sicher nur die logische Konsequenz all dessen.

Und so ist es eben wie immer Alles, gleichzeitig, Dualität. Armut und Fülle, Angst und Vertrauen, Leid und Freude, Liebe … Und die Freude hier in Sri Lanka zu sein und all das zu erfahren und zu fühlen ist so wertvoll, ein riesengroßes Geschenk. :-))